3. Mission Investing Forum

GLS Bank, Bochum – 12.November 2014

BERICHT

Am 12.November 2014 fand in Bochum das 3.Mission Investing Forum der GLS Bank statt. Unter der Moderation von Thomas Goldfuß, Bereichsleiter Vermögensmanagement und Treasury der GLS Bank, und Berenike Wiener, die das Referat Stiftungsmanagement und Corporate Sektor beim Bundesverband Deutscher Stiftungen leitet, beleuchteten Vertreter von Stiftungen und Stiftungsverbänden sowie einschlägige Expertinnen und Experten im Rahmen von Vorträgen, Podiumsgesprächen und Arbeitsgruppen unterschiedliche Facetten des Mission Related Investings (MRI). Es wurde deutlich, dass MRI in Deutschland noch viel Potential hat, es aber noch einen großen Bedarf an Informationsaustausch, Beratung und Vernetzung gibt.

Im Eingangsvortrag sprach Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, über „Mythen und Möglichkeiten – Mission Investing in der Praxis“. In vier Thesen widerlegte Fleisch einerseits vorherrschende Mythen im Bezug auf MRI und skizzierte andererseits Chancen und Möglichkeiten, das Stiftungsvermögen wirkungsorientiert anzulegen: These 1 – MRI ist in Deutschland – entgegen der vorherrschenden Meinung – kein Randthema: Sehr vielen Stiftungen investierten bereits seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten zweckorientiert, ohne es als MRI zu bezeichnen (Bsp. Zweckbetriebe). These 2 – Einen wirklichen Trend in Richtung MRI gibt es nicht: Man diskutiere zwar viel über dieses Thema und es gebe großes Interesse, doch habe sich bei den allermeisten Stiftungen in der Praxis bisweilen nur wenig bis gar nichts geändert. These 3 – Social Impact Investing (SII) anstelle von MRI bietet eine Möglichkeit zu Veränderungen: Stiftungen sollten Gemeinwohl-wirkungsorientiert investieren aber nicht nur im Sinne des Stiftungszwecks, da dies zu unnötigen Einschränkungen führe. These 4 – Eine stärkere Orientierung auf Bedürfnisse schafft neue Möglichkeiten: Verhaltensänderungen vollzögen sich oft nur, wenn ein konkretes Bedürfnis bestehe. Die Niedrigzinsphase, welche auch noch länger anhalten werde, sollte als Chance für einen Wandel hin zu mehr MRI gesehen werden.

Im Anschluss daran folgte eine Diskussion („Mission erfüllt? 20 Jahre Mission Investing“) mit Kirsten Paul, Vermögensverwalterin bei der Bewegungsstiftung, und Joachim Rang, Leiter Finanzen der GLS Treuhand e.V., über die praktische Umsetzung von MRI und SII. Eingangs präsentierten die beiden Diskutanten die Anlagemodelle und Strukturen der Bewegungsstiftung und der GLS Treuhand. Die Bewegungsstiftung verfolgt bereits seit langem eine ethisch-nachhaltige Anlagestrategie im Sinne des Stiftungszwecks. Die konkreten Richtlinien, welche vom Anlageausschluss festgelegt werden und die Grundlage für Investitionsentscheidungen bilden, sind: (1) Positiv- und Negativkriterien, (2) die Hebelwirkung für Veränderung und (3) Beteiligung, d.h. der Einfluss auf die Anlage. Auf dieser Grundlage werden Zielkorridore in Bezug auf Anlage- und Risikoklassen definiert. Beispiele für Investments, die diesen hohen Standards entsprechen sind unter anderem soziale Wohnprojekte, Genossenschaftsbeteiligungen oder dunkelgrüne Fonds. Für die Bewegungsstiftung ist zudem Transparenz (Details über das Portfolio werden auf der Homepage veröffentlicht) besonders wichtig, da man nur so Impulsgeber für ethisch-nachhaltiges Anlegen sein kann. Die DACH-Stiftung der GLS Treuhand, die das Kapital mehrerer Stiftungen und Stiftungsfonds verwaltet (insg. 100 Mio €) verfolgt eine ähnliche Strategie. Auswahlkriterien sind unter anderem Positivkriterien, die Entscheidung des Anlagebeirats sowie die gesellschaftliche Wirkung als integrierte Dimension der Bewertung. Bei der Entscheidung, ob investiert wird oder nicht, die schlussendlich der Vorstand der GLS Treuhand trifft, folgt man einer ganzheitlichen Betrachtung und verzichtet auf ein Scoring. Um das Risiko zu minimieren, wird das Kapital breit gestreut (insg. 90 Positionen). Zudem setzt man auf direkte Beteiligungen (der Anteil an Fonds liegt unter 5%, der von Aktien unter 20%).

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass es derzeit noch zu wenig konkrete Anlagemöglichkeiten für ethisch-nachhaltige Investoren gibt und der Bedarf für eine Diskussionsplattform besteht.

In der zweiten Podiumsdiskussion zum Thema „Chancen und Grenzen von Social Impact Investing in Deutschland“ sprach Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann-Stiftung und Vorsitzende des deutschen National Advisory Boards der G8 Social Impact Investing Taskforce, eingangs über die Chancen und Herausforderungen im Bereich SII. Sie wies darauf hin, dass SII ein großes Potential habe, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigten. Vor allem in Bereichen wie Bildung, Migration oder Fachkräftemangel sollte darüber nachgedacht werden, welche Finanzinstrumente sinnvoll wären und wie Geld am besten gepoolt werden könne. Es gelte auch, die Dinge nun umzusetzen, eine Diskussion über ethische Anlagen im gemeinnützigen Bereich voranzutreiben und Sozialunternehmer mit den großen Playern ins Gespräch zu bringen. Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank, skizzierte in seinem Eingangsstatement kurz die allgemeine Lage im Investmentbereich. Diese sei dadurch gekennzeichnet, dass (1) alle Modelle am Finanzmarkt keine gesellschaftliche Akzeptanz genössen, (2) die Regulatorik so ausgestaltet sei, dass es keine Trennung zwischen Geschäfts- und Investmentbanken gebe, (3) wir in einer Niedrigzinsphase lebten, was daran liege, dass zu viel Geld im Markt sei (u.a. von Pensionsfunds aber auch von Investoren aus Schwellenländern) und die Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der EZB abnähmen und (4) es eine Digitalisierungsschub gebe. Der Markt erfülle seine Allokationsfunktion daher derzeit nicht. Gleichzeitig brauche es neue Finanzierungsinstrumente zur Lösung sozialer Probleme. Im Bezug auf Stiftungen meinte Jorberg, dass aktuell ein Spannungsverhältnis und eine Diskrepanz zwischen Stiftungszweck und Anlagedruck bestehe. In seiner Analyse der Zukunft von Stiftungen bezog er sich auf eine Studie der Bosch-Stiftung und konstatierte: (1) Stiften und Spenden werden selbstverständlicher, (2) nachhaltiges Stiftungshandeln ist Realität, (3) Verbrauchsstiftungen werden sich durchsetzen und (4) Stiftungen sind Motoren gesellschaftlichen Zusammenhalts.

In der Diskussion merkte Brigitte Mohn im Bezug auf die Wirkungsmessung an, dass die Wahl der Zielparameter von entscheidender Bedeutung sei. Hans Fleisch befasste sich nochmals mit der Frage, ob Stiftungen nur MRI oder auch SII betreiben sollten, könnten und dürften. Er vertrat die Ansicht, dass SII eine sehr gute Alternative zum MRI darstelle, wenn der Stiftungszweck zu enge Grenzen setze. Zudem wies er darauf hin, dass die englischen Begriffe MRI und SII oft zu unpräzise seien, und es unter Umständen besser wäre, von Gemeinwohl-wirkungsbezogenem und Satzungszweck-bezogenem Investieren zu sprechen. Diese Frage der unterschiedlichen Begrifflichkeiten und Konzepte wurde auch vom Publikum mehrfach gestellt. Oliver Oehri, vom Center for Social and Sustainable Products AG, wies diesbezüglich auf eine Publikation des Schweizer Stiftungsverbands hin, in der ein gemeinsames Vokabular erarbeitet wurde. Carl-August Graf v. Kospoth, Geschäftsführender Vorstand der Eberhard von Kuenheim Stiftung, versicherte, dass im Rahmen des „Sinnvestitionen“-Projekts der Kuenheim-Stiftung an einem ähnlichen Glossar für Deutschland gearbeitet werde, um die Diskussion zu vereinfachen.

Am Nachmittag standen die drei parallelen Workshops „Expertenkreis Mission Investing“, „Netzwerk Mission Investing“ und „Mission Investing in der Praxis“ auf dem Programm. Im Rahmen des Expertenkreises wurde das Projekt „Sinnvestitionen“ der Kuenheim Stiftung diskutiert und weiterentwickelt, das Netzwerk ging der Frage nach, wo noch Vernetzungs- und Informationsbedarf besteht und die Gruppe „Mission Investing in der Praxis“ präsentierte konkrete Anwendungen und Beispiele von MRI. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Netzwerkgruppe zusammenfassend dargestellt. Zu Beginn berichteten Vertreter der Bertelsmann-Stiftung und des Stiftungsverbands über ihre Aktivitäten zur Vernetzung auf der inhaltlichen (u.a. im Rahmen des Global Learning Exchange) und der Projektebene. Im Anschluss daran wurde gemeinsam erörtert, welche Bedarfe im Bereich Vernetzung noch bestehen und was konkret unternommen werden könnte, um diese zu decken. Dabei wurde deutlich, dass es vor allem noch an Formen und Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs (best practice-Beispiele, peer-to-peer learning, konkrete Anlagevorschläge), der gemeinsamen Prüfung von Projekten, der Informationsbeschaffung und Beratung sowie der Vernetzung von Investoren und Investees fehle. Dem könne durch die Schaffung einer Web-basierten Plattform begegnet werden, doch brauche es darüber hinaus auch die direkte Kommunikation, da Vertrauen ungemein wichtig sei. Einige der Beteiligten wiesen in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass die Gefahr bestünde, dass die bereitgestellten Informationen als Kaufempfehlung interpretiert würden.

Die Veranstaltung endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse der Workshops und der Identifizierung von Bereichen, in denen noch Handlungsbedarf besteht.