HermanMulder_171x185

 

 

 

 

 

Hermann Mulder

Contact
mrhermanmulder@gmail.com
Tel/Fax: +31(0) 20 531 00 00/ +31(0) 20 531 00 31

Profession/Affiliation
Chairman of the Global Reporting Initiative – GRI, impact investor
Herman Mulder is a member of the board of the Dutch National Contact Point (NCP) of the OECD Guidelines for Multinational Enterprises. Mulder is a former senior executive vice-president at ABN AMRO, and is now an independent board member with a focus on sustainable development issues.

Global Reporting Initiative
Barbara Strozzilaan 336
1083 HN Amsterdam
The Netherlands

Abstract
Wendepunkt und Neubeginn: Heilsame Schmerzen
Während den 15 Jahren meiner Arbeit mit der Nachhaltigkeitsagenda, ursprünglich bis 2006 als Banker und Risikomanager bei der ABN Amro Bank, bis hin zu meinem derzeitigen Engagement bei Inter Alia, der Nationalen Kontaktstelle (NKS) für OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (OECD-Leitsätze für MNU) in den Niederlanden, hat mir die Erfahrung gezeigt, dass oft ein ernsthafter Weckruf notwendig ist, um eine Sache voranzubringen und uns davon zu überzeugen, dass es nicht länger möglich ist, auf Nachhaltigkeit zu verzichten und so weiterzumachen wie bisher.
Diese Weckrufe kommen oft unerwartet. Und es ist schockierend, manchmal tragisch und immer schmerzhaft, wenn wir uns dann rückblickend fragen, warum wir es nicht haben kommen sehen. So ging es mir jedenfalls 2008 nach der Finanzkrise.
Die unbequeme Wahrheit ist, dass Schmerzen häufig heilsam sind. Beim diesjährigen Globalen Forum der OECD zu verantwortlichem geschäftlichem Handeln in Paris (Juni 2013) rückte die schreckliche Tragödie des Zusammensturzes des Rana-Plaza-Fabrikgebäudes in Bangladesh, bei dem mehr als 1 000 Arbeitskräfte, vorwiegend Frauen, ums Leben kamen, in den Mittelpunkt und vereinte uns – Regierungen, Unternehmen, Gewerkschaften und andere Gruppen – in dem Wunsch, gemeinsam zu handeln, damit dies niemals mehr irgendwo passieren muss. Derartiges erinnert uns daran, dass es in unserer Gesellschaft fundamentale Schwachstellen gibt und dass wir alle – Regierungen, Fabrikeigentümer, Produktabnehmer, aber auch Finanzinstitute (Investoren, Banken), die nun langsam an den Tisch kommen – die Verantwortung für die Wertschöpfungsketten übernehmen müssen.
Die Natur und die Menschen, die innerhalb dieser Wertschöpfungskette arbeiten, haben eine Nachricht an uns gerichtet, die lautet: „Nicht gut ist schlecht.“ Sie wollen damit ausdrücken, dass die Natur für derzeitige und zukünftige Generationen erhalten werden muss, und sie sagen weiterhin: „Nicht genug ist nicht genug“. Darauf sollten wir hören.
Die „Belohnung“ für Innovation und Globalisierung scheint zum Großteil einigen wenigen Wohlhabenden zugutezukommen, wobei immer noch zu viele arme Menschen in unserer Gesellschaft benachteiligt werden (und zwar diejenigen, die oft am Beginn unserer Lieferkette arbeiten, von der wir abhängig sind). Diesen Menschen werden „ganz normale Dinge“ vorenthalten – angemessene Löhne, Arbeit, Sicherheit und Gesundheit, Versammlungsfreiheit usw. –, und sie sind direkt von den ungelösten ökologischen und sozialen Problemen betroffen, ja sogar ernsthaft durch sie in Gefahr.
Rana Plaza war nur ein weiterer „Kanarienvogel im Bergwerk“, ein Weckruf, der auf ein noch größeres Problem hindeutet, das uns alle angeht: Wie um alles in der Welt sollen wir es schaffen, dass bis zum Jahr 2050 neun Milliarden Menschen nachhaltig und in Frieden und Wohlstand zusammenleben können? Wie gestalten wir die Welt, die wir „brauchen“ (und nicht diejenige, die Rio+20 „will“), eine Welt, in der Wohlstand und soziale Gerechtigkeit für alle herrschen, ohne dass der Planet aus den Nähten platzt?
Der schreckliche Unfall in Bangladesh wird hoffentlich ein Wendepunkt sein, an dem mehr Menschen die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Nachhaltigkeitsagenda erkennen, und wird hoffentlich, insbesondere im Hinblick auf eine umfassende Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen, ein weiterer Anstoß sein.
Laut praktischen und anekdotischen Ermittlungen treten entscheidende Krisen immer in einem Abstand von sieben Jahren an einem Montag im September oder Oktober auf. 1994 wurden wir Zeuge der Tequila-Krise in Mexiko und einer darauffolgenden Abwertung des Peso, 2001 platzte die Dotcom-Blase, gefolgt vom Zusammensturz von Enron und Global Crossing, und 2008 waren Lehman und AIG an der Reihe.
Ich schätze daher, dass uns die nächste Krise am Montag (wie immer), dem 12. Oktober (wie häufig) 2015 (biblische Logik?) treffen könnte und dass sie von den Arbeitskräften in der Wertschöpfungskette ausgehen wird, von denen wir, die wohlhabende Gesellschaft, immer mehr abhängen, aber die wir weiterhin ignorieren, ja sogar ausschließen, und deren Lebensraum (d. h. deren natürliche Umgebung) und deren BIP wir ernsthaft beeinträchtigen. Die Warnsignale sind da und werden dazu beitragen, die globalen Spielregeln zu verändern.
Der Moment für die Nachhaltigkeitsagenda ist unwiderruflich gekommen, und nun können wir einen Teil der Schmerzen, die uns dort hingebracht haben, „feiern“ (oder sie zumindest würdigen). Das sollten wir jedoch aufgrund des Respekts für sämtliche Opfer von Tragödien wie Rana Plaza still und leise tun und dabei unsere Gedanken auf eine bessere Welt richten, in der wir mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.