„Banking der Zukunft“

8.Oktober 2014 – Goethe Universität Frankfurt

BERICHT

Am 8.Oktober 2014 wurden an der Goethe Universität Frankfurt zwei neue Bücher über Verantwortung und Nachhaltigkeit im Investmentbanking präsentiert. Die Sammelbände „CSR und Investment Banking“ und „Responsible Investment Banking“, herausgegeben von Karen Wendt, erscheinen im Januar 2015 in zwei Management Reihen des Springer Verlags zum Thema CSR, Nachhaltigkeit, Ethik und Governance.[1] Sie enthalten sowohl stärker theoretisch orientierte Beiträge namhafter Wissenschaftler sowie von Vertretern von NGOs und internationalen Organisationen, als auch praktische Beispiele für innovative Ansätze und neue Konzepte aus der Banking- und Investmentbranche. Zentrale Themen sind unter anderem Risiko-Managementsysteme für nicht-finanzielle Risiken, internationale Standards und nachhaltige Finanzinnovationen sowie Fragen der Unternehmenskultur in der Bankenbranche (u.a. der Anteil an Frauen in den Aufsichtsräten, etc.).

Neben der Buchpräsentation umfasste die Veranstaltung, welche von der Plattform Responsible Investmentbanking, in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität und Environmental Resources Management (ERM) organisiert wurde, zwei Podiumsdiskussionen zum Thema „Banking der Zukunft“, bei denen es um Fragen von Verantwortung, Nachhaltigkeit und Innovation im Investmentgeschäft ging. Der Großteil der Diskutanten hatte auch Beiträge zu den beiden Bänden beigesteuert. Ziel der Veranstaltung war es unter anderem eine internationale Community zum Thema ökosoziales Risikomanagement und Governance zu schaffen und im Sinne der Buchreihe Wissenschaft und Praxis im Bezug auf diesen Themenbereich stärker und sichtbarer zu verzahnen.

In seiner Einführung wies Prof. Rainer Klump, Professor für wirtschaftliche Entwicklung und Integration an der Goethe Universität und Principal Investigator des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, auf die Aktivitäten des Forschungsclusters im Bereich Normen und Normbildung in der Wirtschaft hin. Im Anschluss daran präsentierte Karen Wendt, Investmentbankerin und Gründerin von „Responsible Investmentbanking“ als Herausgeberin die beiden neuen Bände. Sie konstatierte, dass Nachhaltigkeit und Verantwortung im Investment- und Bankgeschäft hoch aktuell aber derzeit noch nicht Teil des Mainstreams seien. Es gelte, ein „Alignment of Interests“ zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Investoren und Investees durch eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Zweck wirtschaftlicher Aktivitäten, nämlich der Lösung gesellschaftlicher Probleme und der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse zu erzeugen. In diesem Zusammenhang zitierte sie Peter Drucker, der den Kunden und nicht den Gewinn ins Zentrum wirtschaftlicher Aktivitäten stellte.

An der anschließenden ersten Podiumsdiskussion beteiligten sich sowohl Vertreter aus der Wissenschaft, von internationalen Organisationen und NGOs als auch Vorstände von ethisch orientierten Banken. Das Spektrum an Themen und Fragestellungen war breit gefächert und reichte von der Finanzkrise und ihren Folgen für die Industrie- und Schwellenländer bis hin zur konkreten Implementierung von ESG-Aspekten im Bankgeschäft und spiegelte damit auch die Bandbreite der beiden Sammelbände wider. Zu Beginn sprach Silvia Kreibiehl, Leiterin des UNEP Collaborating Centre for Climate & Sustainable Energy Finance an der Frankfurt School of Management & Finance, in einem kurzen Eingangsstatement über die große Bedeutung des privaten Sektors für die Schaffung einer „green economy“, was nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte umfasse. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf den jüngst erschienen „global environment outlook for business“ und betonte, dass vor allem innovative Projekte und eine grundlegende Bereitschaft von Seiten der Wirtschaft, diese umzusetzen, nötig seien. Darüber hinaus umriss sie kurz die Aktivitäten der UNEP Finance Initiative, die einerseits den Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, Praktikern und Theoretikern, Regulatoren und Investoren fördert – etwa im Rahmen der Sustainable Stock Exchanges (SSE) Initiative – und andererseits daran mitwirkt den regulativen Rahmen öko-sozialen Wirtschaftens zu verbessern und anzupassen. Achim Steiner, Executive Director des UN Environmental Programmes, hatte ein Vorwort für den englischen Sammelband Responsible Investment Banking geschrieben.

In der anschließenden Diskussion warf die Moderatorin, Karen Wendt, die Frage auf, was sich seit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise geändert habe, welche Konsequenzen man daraus gezogen habe oder noch ziehen sollte und ob weitere Regulierungen sinnvoll seien. In ihrer Antwort zeichnete Cynthia Williams, Professorin an der Osgoode Hall Law School/York University in Toronto, ein eher pessimistisches Bild. Aufgrund der schieren Größe der Bankinstitute in Folge von Übernahmen und Fusionen habe sich, trotz starker Regulierungen, die „too big to fail“ Problematik seit der Finanzkrise weiter verschärft. Manager seien bereit, noch größere Risiken einzugehen als vor der Krise. Dazu kämen die stetige Gefahr seinen Job zu verlieren und exorbitante Gehälter für all jene, die sich in diesem Umfeld behaupten könnten. Institute würden heute in der Regel von risikoaffinen Investmentbankern geleitet werden, die keiner persönlichen Haftung unterliegen und vor allem im Sinne des Investmentgeschäfts Lobbying betreiben. Sie plädierte daher für die Wiedereinführung des Glass-Steagall Acts, der die Einführung eines Trennbankensystems (Trennung des Wertpapiergeschäfts vom klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft) vorsah.

Andreas Neukirch, CFO der Ethikbank GLS, konstatierte, dass aktuell die Liquidität sehr hoch und die Zinsen in allen Anlageklassen sehr niedrig seien. Dadurch rücke die Frage des Zweckes und der Wirkung von Investitionen wieder stärker in den Vordergrund. In Bezug auf den Begriff „positive impact“ warnte Neukirch davor, eine allgemeingültige Moral zugrunde zu legen. Vielmehr müsse von Moralen im Plural, denen unterschiedliche Vorstellungen von Sinn und positiver Wirkung zugrunde liegen, ausgegangen werden. Er betonte zudem, dass nicht die „Shareholders“ sondern die „Sharetraders“ das Problem seien. Während der Shareholder im eigentlichen Sinne langfristig orientiert sei und daher Interesse am nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens habe, wäre der Sharetrader letztlich nur am schnellen Geld interessiert. Daher fehle ihm der Bezug zur Investition.

Rutuja Tendolkar, Social Specialist bei ERM Indien, hielt aus Sicht einer Expertin für die Umsetzung von internationalen Umwelt- und Sozialstandards in Schwellen- und Entwicklungsländern fest, dass es unterschiedliche Auslöser für mehr soziale und ökologische Verantwortung im Bankgeschäft gegeben habe. Dies seien unter anderem die Krise der Eurozone und die Nachhaltigkeitsbewegung gewesen. Auch wenn aktuell sehr unterschiedliche Standards zum Einsatz kämen, erkenne man auch in Schwellenländern eine Korrelation zwischen ESG und finanzieller Performance. Betrachte man in Ländern wie Indien jedoch das gesamte Wirtschaftssystem, so kämen dort lediglich 11% der Mittel von institutionellen Investoren. Das Rückgrat der Wirtschaft, die MSME (micro, small and medium enterprises), finanzieren ihre Aktivitäten auf anderem Wege und kämen daher nur selten mit den internationalen Standards in Berührung. Ein weiteres Problem sei, dass viele Banken in Form von Private Equity (PE) Fonds mit einer Laufzeit von nur fünf bis sieben Jahren in Schwellen- und Entwicklungsländern investieren. Es stelle sich also die Frage, ob nach so kurzer Zeit wirklich eine deutlich messbare positive Wirkung erzielt werden könne. Darüber hinaus sei generell fraglich, ob Standards für Industriestaaten so einfach auf Schwellen- und Entwicklungsländer übertragen werden könnten.

Auch Nils Ossenbrink, CEO der Bank J. Safra Sarasin AG, Deutschland, wies auf das Problem von unterschiedlichen Standards und Vorstellungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Verantwortung zwischen Industrie- und Schwellenländern aber auch zwischen Europa und den USA und innerhalb Europas hin. Hinzu käme, dass sich die Anforderungen in den letzten 20 Jahren stark verändert hätten. Die Bank Sarasin achte in ihrer Produktentwicklung darauf, dass die Mehrzahl der Produkte sozial-nachhaltig und/oder ethisch-verantwortlich sei, versuche aber, einen vernünftigen Kompromiss zwischen finanzieller Rendite und Nachhaltigkeitskriterien zu finden. Man greife hier auch auf Produkte von anderen zurück und versuche, maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden zu finden. Wichtig sei jedoch, aus Gründen der Glaubwürdigkeit bei seiner SRI (Social Responsible Investment) Kriterien-Liste zu bleiben. Ossenbrink wies jedoch darauf hin, dass es riskant sei, sich zu sehr auf die unter den UN Principles for Responsible Investment (PRI) ebenfalls erlaubte Engagement-Strategie mit noch nicht nachhaltigen Unternehmen im Portfolio einzulassen.

In Bezug auf die generelle Frage nach der Rolle der Wirtschaft bei der Schaffung einer „green economy“ warnte Silvia Kreibiehl vor zu hohen Erwartungen. Der Zweck der Wirtschaft bestehe nach wie vor darin, Profite zu erzielen. Ökonomie und Ökologie gingen eben leider doch nicht immer Hand in Hand, weshalb es eine wesentlich offenere Diskussion über ethische Dilemma-Situationen geben müsse. Zudem fänden sich sozio-ökologische Risiken und Kosten noch nicht in den Bilanzen der Investoren. Daher sei es wichtig, auch beim Accounting anzusetzen, wie Cynthia Williams hinzufügte.

Einen weiteren Aspekt, nämlich die Genderkomponente, brachte Heike Schwesinger von FidAR e.V. Deutschland in die Diskussion mit ein. Auf die Frage, ob Lehman Brothers auch Pleite gegangen wäre, wenn es Lehman Sisters gewesen wären, meinte sie, dass homogene Gruppen, sowohl männlich als auch weiblich dominiert, immer ein Problem darstellten. Wie die Arbeiten von Prof. Niessen-Ruenzi von der Universität Mannheim zeigen, sei die Performance von Fonds, die von Frauen gemanagt werden, ebenso gut oder schlecht wie die von Männern, allerdings denken Frauen allem Anschein nach langfristiger und halten verstärkt und über einen längeren Zeitraum an ihrer Investmentstrategie fest. Nichtdestotrotz leiden Frauen in der Investmentbranche unter einer Form von Diskriminierung,  Marginalisierung und auch Exklusion. Dem könne nicht durch die Berufung von ein oder zwei Frauen in die Aufsichtsräte begegnet werden. Es gelte vielmehr einen Kulturwandel einzuleiten (z.B. mindestens 30% Frauen in den Aufsichtsräten) und ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden. Ein Mittel, um dies zu erreichen, seien detaillierte und firmenspezifische Berichte. Die Moderatorin wies in diesem Zusammenhang auch auf die Rolle von „identification based trust“ hin.

Auf die Diskussion auf dem Podium folgten Fragen aus dem Publikum. Mit Blick auf die Rolle von Private Equity Investoren in Schwellen- und Entwicklungsländern merkte Gavin Duke an, dass diese als Mehrheitseigentümer auch innerhalb von fünf bis sieben Jahren für Veränderungen sorgen könnten. Rutuja Tendolkar replizierte, dass es für ESG Praktiker einfacher sei, mit Akteuren zu arbeiten, die langfristig investierten und dass sich die Dinge in Schwellen- und Entwicklungsländern nicht von einem auf den anderen Tag ändern würden. Auf eine Rückfrage nach dem Reputationsrisiko, meinte Nils Ossenbrink, dass Reputation allgemein nur schwer wieder zurückgewonnen werden könne, wenn sie einmal verloren sei und sich Banker dieses Risikos durchaus bewusst seien. Karen Wendt wies in diesem Zusammenhang auf die United Nations Guiding Principles for Business and Human Rights sowie die OECD Guidelines for Multinational Enterprises hin, die beide weltweite Geltung beanspruchen. Bei der Einhaltung von Menschenrechten käme den nationalen Kontaktpunkten (NCPs) in den OECD Ländern eine besondere Bedeutung zu. Erste Fälle seien von den NCPs bereits entschieden worden, inklusive entsprechender Rückwirkung auf die betroffenen multinationalen Finanzinstitute.

In einer letzten Runde wurden die Panelisten dazu aufgefordert, drei Punkte zu benennen, die sich in Zukunft ändern sollten. Cynthia Williams nannte in diesem Zusammenhang neue Formen der Bilanzierung, die externe Risiken berücksichtigen, die Trennung von Geschäfts- und Investitionsbanken, die Reprivatisierung der Finanzinstitute sowie die Wiedereinführung der persönlichen Haftung der Vorstandsmitglieder von Investmentbanken. Andreas Neukirch forderte einen Dialog darüber, wie wir leben wollen, einen stärkeren Fokus auf die Bedürfnisse der Menschen und eine stärkere Konzentration auf die Zukunft im Rahmen der Ausbildung junger Menschen. Investitionen seien für die Menschen da und müssten Sinn stiftend wirken. Rutuja Tendolkar sah vor allem die Schaffung eines „level playing fields“ sowie Verbesserungen im Berichtswesen und der Messbarkeit der Wirkung von ESG als entscheidend an. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf eine Studie, die untersucht, inwieweit die Nichteinhaltung von ESG Standards zu Leistungseinbußen von Krediten führt. Heike Schwesinger forderte mindestens 30% Frauen in den Aufsichtsräten, da wissenschaftlich nachweisbar sei, dass es durch gemischte Gruppen zu einer Erhöhung der Qualität von Entscheidungen komme. Sie forderte außerdem mehr Akzeptanz von Seiten der Männer für den notwendigen Kulturwandel in den Unternehmen. Silvia Kreibiehl bezog sich in ihrer Antwort auf die Erkenntnisse der UNEP-FI und wies darauf hin, dass die Investmentbranche zwar einen großen Einfluss habe, aber letztendlich vielfach nur als Intermediär agiere. Veränderungen müssten sich vor allem in der Realwirtschaft vollziehen. Zudem sollte man einen offenen Dialog darüber anstreben, dass die Berücksichtigung von öko-sozialen Faktoren nicht immer einfach sei und dass Kunden für diese Problematik sensibilisiert werden müssten. Nils Ossenbrink nannte einen Kulturwandel im Bankgeschäft hin zu mehr langfristigen Investitionen sowie eine ausgeglichene Regulierung.

Der zweite Teil der Veranstaltung begann mit einer Präsentation der CSR Management-Reihen des Springer Verlags, in denen die beiden neuen Sammelbände erscheinen werden. Christian Rauscher, Senior Editor beim Springer Verlag berichtete, dass die CSR Management-Reihen im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurden und zu den erfolgreichsten Publikationen des Springer Verlags gehörten. Sie zielten darauf ab, CSR aus einer Managementperspektive zu betrachten und seien als Gesamtpaket im e-Book-Format in über 5000 Institutionen auf der ganzen Welt verfügbar. Bei der englischen Reihe handle es sich nicht um eine Übersetzung des deutschen Buches, sondern um eine unabhängige Publikation.

Bevor es in die zweite Podiumsdiskussion ging, wurden zwei Videomessages abgespielt. Sarah Barker, Special Counsel bei Minter Ellison Lawyers und Corporate Governance & Corporate Social Responsibility Advisor, sprach über die Treuhandpflichten (englisch „fiduciary duties“) von Managern in der Investmentbranche in Bezug auf den Klimawandel. Patricia Dinneen, Senior Advisor, Emerging Markets Private Equity Association (EMPEA), berichtete über marktbasierte Lösungen im Kampf gegen Armut durch Positive Impact Investing und die Aktivitäten des 30-köpfigen EMPEA Impact Investing Councils.

Auf dem zweiten Podium saßen vier ausgewiesene Experten aus der Investment- und Investmentberatungsbranche, die über praktische Beispiele, Leuchtturmprojekte, nachhaltige Finanzinnovationen und ökosoziale Governance-Modelle berichteten. Den Beginn machte Frank Damerow von der Climate Bonds (CB) Initiative, der über die Rolle und die Funktion von CBs auf dem Weg zu einer kohlearmen Wirtschaft sprach. Der Markt für CBs habe 2013 ein Volumen von rund $10 Milliarden gehabt; dieses werde 2014 voraussichtlich auf $40 Milliarden Dollar anwachsen. Dieser große Erfolg der Initiative, liege vor allem auch am mit dem Erwerb von CBs verbundenen Imagegewinn für die beteiligten Institute. Um das zwei Grad Klimaziel einhalten zu können, gehen Schätzungen der internationalen Energiebehörde heute davon aus, dass rund eine Trillion Dollar in CBs investiert werden müsste. Dabei sei es wichtig, diesen Betrag nicht als Kosten sondern als Investition zu begreifen. Aktuell sei das Problem nicht die Nachfrage nach CBs, die sich einer hohen Attraktivität bei institutionellen Investoren erfreuten, sondern das mangelnde Angebot an klimafreundlichen Projekten in der notwendigen Qualität. Was die Käuferstruktur angehe, erkenne man, auch aufgrund der neuen Regulierungen, eine Verschiebung von den Banken hin zu den Versicherern und Pensionsfonds, die Geld für klimafreundliche Märkte in Form von Fremdkapital, wie z.B. Bonds, bereitstellen wollen. Auch wenn davon auszugehen sei, dass der Markt weiter wachse, gebe es derzeit unter anderem im Bereich des Berichtswesens noch Anpassungsbedarf.

Gavin Duke, Investment Manager bei Aloe Private Equity, einer Gesellschaft, die ihren eigenen ESG Framework zur Steigerung des Werts von Investitionen nutzt, berichtete über seine Erfahrungen in diesem Bereich. Er wies darauf hin, dass der monetäre Nutzen von ESG Frameworks nur schwer zu bestimmen sei, sich aber beim Verkauf materialisiere. Die erzielbaren IPO-Preise lägen für Unternehmen mit einem stringenten und robusten öko-sozialen Governance-System höher als bei konventionellen Investments. ESG sei demnach nicht hauptsächlich ein Risikomanagement-, sondern primär ein Mittel zur Wertsteigerung. Durch ESG würde zudem verantwortliches Investieren und impact investing gefördert werden. Das im neu erschienen Sammelband dargestellte ESG Modell von Aloe PE, das in erster Linie auf den GRI (Global Reporting Initiative) Kriterien und den IFC Performance Standards beruhe, dürfe gerne von anderen übernommen werden. Duke wies zudem darauf hin, dass Private Equity Investoren über sehr viele Hebel verfügten, um ESG Anliegen zu fördern. Um das Thema ESG im Investmentgeschäft weiter voranzutreiben, gelte es vor allem, die Diskussion darüber zu fördern sowie durch best practices zu zeigen, wie es funktionieren kann. Letztendlich bedürfe es für die endgültige Etablierung von ESG Modellen jedoch wahrscheinlich eines Generationenwechsels im Management.

Raimund Vogelsberger, Partner bei ERM, nahm in seiner Betrachtung eine stärker historische Perspektive ein. Er meinte, dass es in Bezug auf die Rolle der IFC Performance Standards durchaus Negativbeispiele gebe, man aber auf lange Sicht von einem Erfolg sprechen könne. Betrachte man die Zeit seit dem Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts (zehn Generationen), so habe sich erst in der letzten Generation ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Verantwortung entwickelt. Vor allem seit der Konvention von Rio im Jahr 1992 seien die Standards kontinuierlich gestiegen. Heute, mit dem letzten Update der IFC Performance Standards aus dem Jahr 2012 sowie der dritten Generation der (EP III), sei man an einem Punkt, an dem nicht mehr die Minimierung des Schadens, sondern die Förderung von Biodiversität, Nachhaltigkeit etc. im Vordergrund stehen. Dies sei ein grundlegender Perspektivenwechsel. Mit Blick auf die Weiterentwicklung der Äquatorprinzipien, an deren strategischem Review auch ERM federführend mitgewirkt hatte, sei sowohl die Adaptierung und Verbesserung der Standards als auch die Zunahme der Anzahl der beteiligten Institute wichtig.

Alexander Cox, Partner bei ERM und vormaliger Investmentbanker, der in dieser Funktion für die Einführung eines Governance-Systems zuständig gewesen war und seither zahlreiche Investmentbanken, inklusive der Green Investment Bank, hierzu beraten hat, wies vor allem auf die Bedeutung eines funktionierenden Managementsystems für die Berücksichtigung von ESG Standards hin. Es brauche klare Abläufe und eine Unternehmenskultur, in der sich alle Beteiligten wechselseitig aufeinander verlassen könnten. Oft gebe es das Problem, dass solche Managementsysteme nur auf dem Papier aber nicht in der Realität existierten und die Aufgabenverteilung sowie Mechanismen zur Eruierung von Fehlern mangelhaft seien. Für ein so komplexes Unterfangen wie eine ESG Bewertung sei zudem der Faktor Motivation von entscheidender Bedeutung. Diese könnte vor allem durch ein richtiges Maß an Autonomie, Mastery (d.h. zu den Besten in einem Bereich gehören) und Wissen darüber, welchen Zweck man mit seiner Arbeit verfolge, gesteigert werden. Generell konstatierte Cox einen Mangel an Personen mit Expertise im Investmentgeschäft und im Bezug auf ESG Themen. Dies gelte vor allem auch für die Intermediäre. Nichtdestotrotz gebe es sehr gute Beispiele für green banks, mit ausgezeichneten Methoden für die Messung von Impact sowie klaren und transparenten Anforderungen für Projektfinanzierungen.

In den Diskussionen im Rahmen der Buchpräsentation wurde deutlich, dass in der Bank- und Investmentbranche ein Umdenkprozess hin zu mehr Nachhaltigkeit und Verantwortung im Gange ist. Damit ist zum einen eine Rückbesinnung auf den eigentlichen Zweck wirtschaftlichen Handelns, nämlich die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, verbunden. Zum anderen kann dadurch ein neuerlicher Interessensgleichklang von Wirtschaft und Gesellschaft sowie Investoren und Investees erzeugt werden. Es bedarf jedoch es eines umfassenden Kulturwandels, damit die Investmentbranche zu einem der entscheidenden Akteure bei der Bewältigung ökologischer und sozialer Herausforderungen werden kann. Dazu gehören neue Formen der Bilanzierung, die externe Risiken berücksichtigen, die Trennung von Geschäfts- und Investitionsbanken, die Wiedereinführung der persönlichen Haftung von Vorstandsmitgliedern, ein stärkerer Fokus auf die Bedürfnisse der Menschen, die Schaffung eines „level playing fields“, Verbesserungen im Berichtswesen und der Messbarkeit der Wirkung von ESG, die Durchsetzung internationaler Standards sowie mehr Diversität in den Aufsichtsräten. Mit Blick auf die Zukunft gilt es, sowohl an den theoretischen Grundlagen und Konzepten weiterzuarbeiten als auch in der Praxis zu zeigen, wie Nachhaltigkeit und Verantwortung Teil des Investmentgeschäfts werden können.

[1] Der deutschsprachige Band erscheint in der Management-Reihe „Corporate Social Responsibility“, herausgegeben von René Schmidpeter, der englischsprachige Band ist Teil der Management-Reihe „CSR, Sustainability, Ethics & Governance“ von Springer International, herausgegeben von Samuel O. Idowu und René Schmidpeter